Generalversammlung der MGN - 11. april 2014

Mit einigen Restrukturierungen geht die NÖM ins letzte Milchwirtschaftsjahr mit einer Quote. Die MGN als Liefergemeinschaft und Miteigentümer blickte bei der Generalversammlung auf die Herausforderungen eines sich wandelnden Marktes

Der Milchpreis ist am Weltmarkt angekommen

So nüchtern und realistisch stellte der Geschäftsführer der MGN, Leopold Gruber-Doberer seinen Delegierten bei der Generalversammlung in Altlengbach die Realitäten am Markt dar. Ablesbar sei dieser Wandel an der Preisentwicklung des abgelaufenen Jahres gewesen: "Große Player wie Neuseeland waren nicht in der Lage den Rest der Welt zu versorgen. Der Preis ist daher gestiegen." Für die Milchbauern der MGN hat sich diese Entwicklung in einer Steigerung von 34 auf 41 Cent netto manifestiert. Nach einer witterungsbedingt gedämpften Anlieferung bis über den Sommer haben die Milchbauern als Reaktion auf die Marktsituation im Herbst ihre Anlieferung kräftig gesteigert. "Österreich ist vor dem Quotenende in einer sehr expansiven Situation", analysierte Gruber-Doberer, "die Bauern haben auf den guten Preis reagiert." Zudem würden einige Betriebe in den Startlöchern für eine kräftige Aufstockung der Viehzahl scharren.
So wird österreichweit eine Mengensteigerung von - je nach Schätzung - zehn bis 20 Prozent prognostiziert. Zugleich würden aber auch weltweit die Anlieferungen steigen, was Gruber-Doberer zur Bedeutung des Weltmarktes zurückbrachte: "Die Produktion hat auf die Preise reagiert. Der Preis wird aber auch auf die Produktion reagieren." Aktuell sei die Luft aus den Märkten draußen, leichte Preissenkungen mussten umgesetzt werden.
Besonders bitter für Österreich ist, dass im letzten Jahr des regulierten Marktes noch einmal kräftig Strafe für das Missverhältnis zwischen vorhandener Quote und möglicher Produktion gezahlt werden muss. Gruber-Doberer: "Bei zwei Prozent der europäischen Produktion zahlen wir zwei Drittel der Superabgabe." Es sei aber nicht abzusehen, dass diese erlassen werde; im Gegenteil müsse damit gerechnet werden, dass es 2015 keine Quote mehr gebe, die Bauern aber nochmals kräftig für ihre Überlieferung 2014 zahlen müssten.

Wie schnell sich Märkte drehen können, brachte auch MGN-Obmann Johann Krendl in seinem Statement zum Ausdruck: "Beim Tiefststand im August und September mussten wir in einem Rundschreiben erstmals bekanntgeben, dass wir zu wenig Milch haben. Wenn der Vierer beim Preis vorne steht, springt die Milchproduktion aber so richtig an." Trotz dieser kräftigen Steigerung ab Spätherbst sank die Anlieferung der 3.565 Lieferanten im Milchwirtschaftsjahr 2013/14 in Summe von 366 auf 362 Millionen Kilogramm. Da die Anzahl der Milchbauern um beinahe fünf Prozent zurückgegangen ist, stieg die durchschnittliche Liefermenge pro Betrieb von 97.000 auf 101.800 Kilogramm. Stolz ist Krendl auf die hohe Qualität, die die MGN der NÖM zur Verfügung stellen kann: "In den ersten drei Monaten 2014 hatten wir erstmals 90 Prozent der Milch in der S-Klasse."

Mittelfristig rechne die NÖM bis 2018 mit einer Milchmenge von 400 Millionen Kilogramm, meinte NÖM-Produktionsvorstand Josef Simon. Für heuer habe man 11 Millionen Euro für neue Abfüllkapazitäten budgetiert. Trotz dieses Puffers mahnte Obmann Johann Krendl für die Zukunft ohne hoheitliche Mengensteuerung bei allem Verständnis für das Wachstumsbegehrens mancher Lieferanten eine "Anlieferung mit Augenmaß" ein.

Mit sehr offenen Karten spielte bei der Generalversammlung auch der Generaldirektor der Raiffeisen Holding, dem Eigentümer der NÖM, Klaus Buchleitner: "Die Banken kämpfen in einem schwierigen Umfeld und verdienen in ihrem Kerngeschäft fast keine Margen mehr." Bei den notwendigen Restrukturierungen bleibe kein Stein auf dem anderen. Auch die Holding müsse sich stärker fokussieren und könne sich daher nicht mehr in Bereichen engagieren, die Kapitalbedarf hätten. Daher habe es auch bei der NÖM operative Verbesserungen und eine Reduzierung des Vorstandes von vier auf zwei Personen gegeben. "Es ist uns gelungen die NOM UK in England zu verkaufen, obwohl sie anfänglich niemand haben wollte", so Buchleitner. Das Werk in Großbritannien sei eine Idee gewesen, die nicht funktioniert habe. "Wir sollten uns auf das Kerngeschäft in Österreich und nicht auf das ferne England konzentrieren", resümierte der Generaldirektor. Absolut nichts sei allerdings an dem hartnäckigen Gerücht dran, dass auch die NÖM in Baden verkauft werden solle. "Ich habe selten in meinem Leben etwas so oft dementiert." Mit ein Grund für die Spekulationen dürfte das Engagement eines französischen Beraters sein, der die Abläufe im Unternehmen analysieren soll. Dies sei geschehen um die NÖM bestmöglich auf die kommenden Veränderungen vorzubereiten. Buchleitner: "Das Umfeld bei der Milch wird schwieriger. Der genossenschaftliche Nutzen kann aber nur entstehen, wenn man das Unternehmen betriebswirtschaftlich professionell managt."


Qualitätssieger und Ehrengäste
Auch in diesem Jahr wurde an die 25 Besten Lieferanten jeweils ein MGN Qualitätssiegel und ein Korb mit NÖM Produkten übergeben.
Unter den zahlreichen Ehrengästen konnten auch Ehrenobmann ÖKR Adolf Steiner, Frau Bauernbunddirektorin Klaudia Tanner sowie der Vizepräsident der LK NÖ, Herr Otto Auer, begrüßt werden.


 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen: MGN / Stefan Nimmervoll - Raiffeisen Zeitung