Generalversammlung der MGN - 6. April 2018

 

"Wohlfühlgarantie" soll Marktanteile sichern  


Im Zeichen hoher Anlieferungsmengen und aktueller Tierwohlanforderungen der Konsumenten und des Handels stand unsere diesjährige Generalversammlung.

Milchbäuerinnen und Milchbauern sowie zahlreiche Ehrengäste, unter ihnen LK-NÖ-Vizepräsidentin Theresia Meier,
NÖM-Vorstand Alfred Berger und ZAR-Obmann Stefan Lindner, folgten der Einladung von Obmann Johann Krendl am 6. April 2018 nach Altlengbach.
Die Milchanlieferung an die MGN ist im abgelaufenen Wirtschaftsjahr trotz des Rückgangs der Lieferantenzahl auf 410,51 Millionen Kilogramm angestiegen. Damit wurde die durchschnittliche Anlieferungsmenge pro Lieferant auf 133.541 Kilogramm gesteigert. Auch im Bereich der Biomilch gab es ein Plus von 15,68 Prozent. Einmal mehr konnte Obmann Krendl ein großes Lob an seine Lieferanten aussprechen, konnte doch die Qualität der angelieferten Rohmilch erneut gesteigert werden - fast 99,6 Prozent entsprechen bereits den höchsten Qualitätsstufen.

"Zuschauen und nicht reagieren, ist nicht unser Weg", so begründete Obmann Johann Krendl das Milchmengenmodell der MGN, mit dem seit Februar die Überschussmengen einzelbetrieblich abgerechnet werden. Die angelieferte Milchmenge sei in den letzten Monaten förmlich explodiert, die Steigerungen lagen zwischen 11,67 und 13,30 Prozent. Diese "sportlichen" Mehrmengen würden auch entsprechend auf den Preis drücken. Drei Viertel des Milchpreises werde zudem mittlerweile vom Fettpreis getragen. Die MGN habe daher beschlossen, ab 1. Februar befristet bis 31. Dezember des heurigen Jahres die Bezahlung für Fett und Eiweiß mit jeweils 3,4 Cent je Einheit einzuführen, so Krendl.
Der im Vorjahr angekündigte Rückkauf der NÖM AG durch die Milchgenossenschaft NÖ sei verschoben, aber keinesfalls aufgehoben, worden, berichtete Obmann Krendl weiter.


Ab 2020 keine Milch aus ständiger Anbindehaltung

"Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten zeigen Interesse, woher Lebensmittel kommen und unter welchen Bedingungen sie produziert werden. Der Handel verstärkt daher den Druck auf die Erzeuger", betonte Krendl. Die NÖM AG habe darauf mit der Entwicklung einer "Wohlfühlgarantie" reagiert. Die MGN wird, um diese Anforderungenzu erfüllen, ab 1. Jänner 2020 keine Milch aus ständiger Anbindehaltung mehr übernehmen. Milchlieferanten müssten danach den Mindeststandard der Kombihaltung mit Auslauf von mindestens 120 Tagen erfüllen.

Gentechnikfrei ist kein Alleinstellungsmerkmal

Auf die stark angestiegenen Anlieferungsmengen verwies auch Geschäftsführer Leopold Gruber-Doberer in seinem Bericht. Aufgrund der kleinstrukturierten Landwirtschaft könne Österreich den Kampf um Marktanteile über Preis und Menge nicht gewinnen. Es brauche zusätzliche Argumente im Verkauf. Gentechnikfreiheit sei mittlerweile kein Alleinstellungsmerkmal mehr, da auch bayrische Molkereien diese verstärkt von ihren Lieferanten einfordern. "Die Erfüllung der Vorgaben des Bundestierschutzgesetzes, das die Anbindehaltung in Ausnahmefällen erlaube, reicht am Markt nicht mehr aus", stellte der Geschäftsführer klar. Mit der "Wohlfühlgarantie" wolle die NÖM AG in Zusammenarbeit mit der MGN der - in Deutschland bereits aufgeflammten - Diskussion um die Anerkennung der Kombihaltung zuvorkommen. "90 Prozent der von der MGN übernommenen Milchmenge erfüllt bereits die ,Wohlfühlgarantie' - und das müssen wir entsprechend verkaufen", ist Gruber-Doberer überzeugt.

NÖM Vorstand Berger berichtete, dass die Molkerei die Milchverwertung 2017 um 13 Prozent gesteigert habe. Im Vergleich zu 2006 verarbeitet man sogar um 60 Prozent mehr Milch. Die NÖM wächst stärker als der Gesamtmarkt und hat in Bereichen wie dem Kakao weiter zulegen können. Sehr erfreut ist man auch über die anhaltende erfolgreiche Entwicklung in Italien. Mit neuen Innovationen wie Kefir, SKYR und einer eigenen Biomilch-Range für Italien ist es gelungen weiter zu wachsen. Eine wichtige Entscheidung war der Ankauf des ehemaligen BauMax Areals in Baden. Damit stehen auch Expansionsflächen für die Zukunft zur Verfügung. Dennoch bereiten auch ihm die großen Anlieferungsmengen Sorgen. Momentan hält das Fett den Milchreis noch hoch, weil bei vielen großen Verarbeitern wie Bahlsen in den Rezepturen das Palmöl durch Butter ersetzt wurde, so Berger. Man verwies einmal mehr darauf, dass zehn Molkereien drei großen Handelsketten gegenüberstehen. In einem gesättigten Markt sei es nur mehr möglich Menge ins Regal zu bringen, wenn man auf den Preis setze. " Als Molkereimanager kann ich mir aussuchen, ob ich einen schlechten Preis im Handel akzeptiere oder einen noch schlechteren im Versand, der Übermengen im Tankwagen ins Ausland realisiere. Das nutzen die Einkäufer aus, um Druck zu machen. Noch liegt der Trinkmilchpreis bei 99 Cent pro Liter, ich hoffe dass dies noch lange so bleibt, die Signale sind aber andere."

"Das Wohl der Mitglieder in den Mittelpunkt stellen"

LK-NÖ-Vizepräsidentin Theresia Meier hob die Bedeutung des Genossenschaftswesens als moderne Unternehmensform auch im Jahr des 200.Geburtstags ihres Gründers, Friedrich Wilhelm Raiffeisen, hervor. Für sie sei es unverständlich, dass dieselben Leute, die viele Bäuerinnen und Bauern von den Genossenschaften weggelockt haben, im Jubiläumsjahr den Genossenschaftsgedanken für sich entdecken und für billigen Populismus verwenden. Eine Genossenschaft könne nur funktionieren, so Meier, wenn das Wohl ihrer Mitglieder im Mittelpunkt der Geschäftstätigkeit stehe. "Je größer eine Genossenschaft wird, umso selbstverständlicher wird sie für ihre Mitglieder. Ganz im Sinne Raiffeisens ist hier der Einsatz der Funktionärinnen und Funktionäre gefordert, in der wirtschaftlichen Weiterentwicklung die Interessen ihrer Mitglieder - der Bäuerinnen und Bauern - mit Nachdruck zu vertreten", stellte Meier fest.

Text: Mag. Eva Riegler BZ

Fotocredit: ©A.Felten/foto-agent.at