Generalversammlung der MGN am 10.04.2026

Hohe Milchmengen drücken Milchpreis und Stimmung

Bei der diesjährigen Generalversammlung unserer Genossenschaft in Altlengbach konnte Obmann LKR Martin Steiner mehr als 200 Funktionäre und Delegierte, sowie zahlreiche Ehrengäste begrüßen. Nach einer außergewöhnlich guten Bilanz über 2025 steht die MGN heuer vor neuen Herausforderungen.

Gestiegene Produktion – aber sinkender Preis

In seinem Bericht informierte Steiner über die im Jahr 2025 gestiegene Milchanlieferung um 18 Mio. Kilogramm bzw. 4,01%. In Summe wurden 456 Mio. kg somit an die NÖM AG zur Verarbeitung geliefert. Für den Obmann war das Jahr 2025 ein gutes Jahr für die Milchbauern. Zuletzt hat sich die Stimmung aber deutlich getrübt. Seit dem Herbst sind die Milchpreise gesunken. In Summe musste
eine Absenkung von 12 Cent netto verkraftet werden. „Wir sind heute soweit, dass wir nicht mehr kostendeckend produzieren“, so ein sichtlich betroffener Obmann.

Zusätzlich verschärft werde die Lage durch die Inflation, die weltpolitische Lage mit dem Krieg im Iran und deren Auswirkungen auf Betriebsmittel und Energie. Steiner verwies auf höhere Preise bei Eisen, Diesel und Dünger, wodurch die Bauern weiter unter Zugzwang gerieten: „Wir leben momentan auf Kosten der Abschreibung.“ Kritik übte er auch an den Schleuderpreisen im Handel: Diese seien den Bauern nicht mehr vermittelbar, weil hinter jedem Liter
Milch viel Herzblut und tägliche Arbeit im Stall stecke. Er fordert in diesem Zusammenhang die zahlreich anwesenden Molkereivertreter aus ganz Österreich auf, hier Maßnahmen zu setzen. Es geht schlichtweg um die Existenzen der Milchbäuerinnen und Milchbauern!

Erfreulich ist die Entwicklung des Unternehmens NÖM AG, an welchem die MGN zu 33,95% beteiligt ist. Aufgrund der erfolgreichen Vermarktung kann die gesamte Milch der MGN auch zu Produkten veredelt werden. Das gibt Sicherheit für unsere Milchbauern. Geschäftsführer Ing. Leopold Gruber-Doberer informierte über die Hintergründe der aktuellen Marktverwerfungen. Derzeit wird in allen wesentlichen Milchproduktionsländern der Welt mehr Milch und auch mit höheren Inhaltsstoffen produziert. Er erläutert in diesem Zusammenanhang die Auswirkungen der Menge von Deutschland und Niederlande auf den europäischen Markt. Diese beiden Länder produzieren 31,7% der gesamten europäischen Milch. Erst wenn die Produktion zurückgeht, hat der Milchpreis wieder eine Chance zum Steigen, so die nüchterne Analyse. Auch ihm bereite die Ertragssituation der heimischen Milchwirtschaft Sorgen, oftmals mangle es am Bewusstsein für den Wert der erzeugten Milchprodukte. So sei der Butterpreis von 1,49 Euro im Jahr 2008 auf aktuell 1,29 Euro gefallen – ein Rückgang von 13 Prozent. „Im gleichen Zeitraum ist das Schachterl Zigaretten um 84 Prozent teurer geworden, das kratzt aber keinen Hund“, kritisierte Gruber-Doberer.

Es ist von großer Bedeutung, dass man gemeinsam mit der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien mit am Steuersitz der NÖM sitzt und das Unternehmen mitsteuern kann – auch in schwierigen Zeiten. Für die bäuerlichen Betriebe ist es selbstverständlich, dass alle zwei Tage der Tankwagen kommt – unabhängig davon, ob die Milch aktuell am Markt benötigt wird oder nicht. Dieses System funktioniert aber nur mit einem leistungsfähigen Verarbeitungsunternehmen im Hintergrund. „Das funktioniert nur in einer Genossenschaft mit einem Verarbeitungsunternehmen, das auch in der Lage ist, daraus bestmöglich Wertschöpfung zu generieren“, sagte Gruber-Doberer mit Blick auf die NÖM.

Die Strukturen in der österreichischen Milchwirtschaft haben sich im Jahr 2025 etwas verändert. Die Hereinnahme der Vorarlberg-Milch in die NÖM AG und der Zusammenschluss der Salzburg Milch mit der Pinzgau Milch waren erste und
wichtige Schritte, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Besonders weist der Geschäftsführer auf die Bedeutung des Exportes von österreichischen Milchprodukten nach Europa hin. „Jeder Liter Milch, den wir exportieren können, verhindert größeren Druck im Inland.“ 

Mit dem Zitat von Winston Churchill „Die Kunst ist es einmal mehr aufzustehen, als man um-geworfen wird“ appelliert der Geschäftsführer auch in stürmischen Zeiten standhaft zu sein, und nicht jedem Zuruf nachzugeben. Rückblickend ist es keinesfalls selbstverständlich, dass die MGN und die NÖM heute in dieser Form bestehe, hätte man in der Vergangenheit dem Druck einzelner Gruppen nachgegeben oder nur auf kurzfristige Stimmungen reagiert.

Exportanteil der NÖM AG liegt über 60%

Werksleiter Franz-Josef Schattleitner und Vorstand für Verkauf und Marketing Alfred Berger berichteten über die Vermarktungssituation der NÖM AG. Ein wesentlicher Bereich ist der Export in 26 Länder Europas, was einen Exportanteil von mehr als 60% mit veredelten
Produkten bedeutet. Dadurch wird der heimische Milchmarkt massiv entlastet. Berger erklärte, dass sich das Unternehmen strategisch weg vom reinen Molkereibetrieb hin zu einem „Problemlösungsanbieter für Ernährungsspezialitäten“ entwickle.

Gleichzeitig verwies er auf die zunehmende Bedeutung von Produkten mit höherer Wertschöpfung, etwa im Proteinbereich oder in der medizinischen Ernährung. Klassische Trinkmilch bezeichnete er hingegen als wirtschaftlich kaum attraktiv: Sie sei mittlerweile „ein
teures Hobby“. Künftig werde es daher entscheidend sein, sich stärker zu spezialisieren, neue Märkte zu erschließen und Konsumtrends – etwa über digitale Kanäle – gezielt zu nutzen.

Milchprinzessin Nadja I.

In Vertretung der erkrankten Milchkönigin Kathrin II. richtete Milchprinzessin Nadja Hörbinger Grußworte an die Gäste der Generalversammlung. Die wesentliche
Aufgabe der Milchhoheiten ist es, der Milch ein Gesicht zu geben und auf die Bedeutung der Milch hinzuweisen. Dies beginnt im Besonderen bereits bei den Besuchen in den Schulen und Kindergärten, wo den Kindern der Weg der Milch auch mit Unterstützung von Lehrbehelfen nähergebracht wird. Die Milchproduktion erfolgt seitens der Bäuerinnen und Bauern mit viel Herzblut und Leidenschaft, wofür sie sich herzlich bedankt!

Bundesbäuerin NR Irene Neumann-Hartberger

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Sie bedankt sich für die Unterstützung beim Internationalen Jahr der Bäuerin und weist daraufhin, dass 17% der Betriebe der MGN weiblich geführt sind. Die Bäuerinnen sind nicht nur Betriebsführerinnen und
Innovationsmotoren auf den Höfen, sondern leisten 365 Tage im Jahr unverzichtbare Arbeit für die Gesellschaft, für den ländlichen Raum und für ihre Familien.

NR Norbert Sieber, AR-Vorsitzender der Vorarlberg Milch

stellt sich den Milchbäuerinnen und Milchbauern vor. Er
dankt den NÖ Berufskollegen für die Aufnahme der Vorarlberg Milch in die NÖM AG und betont, das es auch den Vorarlbergern ein Anliegen ist, positiv in der Struktur der NÖM Gruppe mitzuwirken.

Traditionell wurden auch die 15 Besten Milchlieferanten hinsichtlich Qualitätswerte eingeladen und mit einem Geschenkkorb belohnt.

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